Hallo an alle, die sich von Zeit zu Zeit noch auf diese Website verirren. Nun hab ich wirklich eine Weile nichts mehr von mir hören lassen. Über zwei Monate bin nun schon in Mexico und schreibe heute meinen dritten Eintrag. Doch ich gelobe, diese Quote in Zukunft zu verbessern.
Dann will ich mal versuchen mich zu erinnern, was im vergangenen Monat so passiert ist.
Am 14. September habe ich mich nach Lagos de Moreno aufgemacht, um dort mit meinen Verwandten den mexikanischen Unabhängigkeitstag zu feiern. Am 16. September 1610, müsst ihr nämlich wissen, hat ein mexikanischer Priester namens Miguel Hidalgo im Morgengrauen die Kirchenglocken seiner Gemeinde Dolores läuten lassen, um den verschlafenen Bürgern seinen Plan eines Aufstands gegen die spanischen Kolonialherren zu verkünden. Der Beginn der mexikanischen Unabhängigkeit!
Wir jedenfalls sind am Morgen des 14. nach la Unión, einer kleinen Stadt nahe Lagos, gefahren. Dort findet alljärlich im Rahmen der Festlichkeiten eine Veranstaltung statt, deren Zusammenhang mit der Unabhängigkeit sich dem unbedarften Besucher nicht unmittelbar erschließt. Bei der „Coleadera“, was übersetzt soviel heißt wie „Schwanzfest“, reiten eine Reihe mexikanischer Cowboys hinter einem verängstigten Stier her, um diesen am Schwanz zu greifen und ihn durch heftiges Zerren zu Fall zu bringen. Dieses Spaktakel dauert zwei Tage und was anfänglich noch lustig und spannend ist, wird dann doch recht schnell langweilig.
So geriet der Wettbewerb schnell zur Nebensache und es entwickelte sich ein lustiges Gelage, in dessen Verlauf ich mich dann möglicherweise ein bisschen betrunken habe. Gegen Abend hatte mein Onkel Juan dann auch sein erklärtes Ziel erreicht und machte sich voll wie eine Strandhaubitze auf den Heimweg, während meine Tante Lusanna, mein Onkel Alejandro und ich noch in die Stadt fuhren. Auf der zentralen Plaza von la Unión am Abend nämlich ein weiteres Fest statt, deren Spielregeln mir folgendermaßen erklärt wurden. Alle Frauen im heiratsfähigen Alter zirkulieren um die Plaza. Alle Männer (aller Alterklassen) zirkulieren im umgekehren Sinne um die Plaza. Wenn ein Mann eine Frau hübsch findet, bewirft er sie mit Konfetti. Kurzerhand bewaffneten wir uns also mit Konfetti, gingen auf die Jagd und bewarfen alles was uns entgegenkam. Auch meine Tante Lusanna war da nicht eben schüchtern. Leider kann ich nicht behaupten, dass die Reaktionen durchweg positiv waren, was unter Umständen daran lag, dass große Teile Konfetti in diversen Getränken landeten, aber in solchen Situationen kann man dann ja seinen Ausländerbonus ausspielen. ¡No entiendo!
Die Nacht verbrachten wir auf dem Rancho und am nächsten Morgen haben wir, nach einem guten mexikanischen Frühstück, einen kleinen Ausritt unternommen, der mich endgültig zur Einsicht gebracht hat, dass mir das mit dem Reiten leider nicht in Wiege gelegt wurde. Während sich der verfluchte Gaul bei meinem letzten Ausritt darauf beschränkt hat meine Anweisungen zu ignorieren, hatte ich es diesmal mit einem außerordentlich hinterhältigem Klepper zu tun, der keine Gelegenheit ausgelassen hat sich meiner zu entledigen, indem er knapp an einem Kaktus entlangritt oder unter Bäumen hertrabte, an deren tiefhängenden Ästen er mich loszuwerden versuchte. Trotz der hinterhältigen Attacken dieser Bestie, hab ich es zurück zum Rancho geschafft ohne im Schlamm zu landen, jedoch nicht ohne diverse Kratzer davongetragen zu haben.
Später machten wir uns erneut auf den Weg nach la Union um für einige Stunden dem zweiten Teil der Coleadera beizuwohnen. Nachmittags bin ich mit meinem Onkel Juan zurück nach Lagos gefahren. Dort waren wir mit seiner Freundin Carolina und ihren Kindern, Samanta und Nuri, verabredet um auf der Plaza von Lagos den Höhepunkt des Unabhägigkeitstags, zu sehen. Beim sogenannten Grito verliest in jedem noch so kleinen Städtchen von Mexiko der Bürgermeister, oder in den größeren Städten der Gouverneur, ein Loblied auf die Nationalhelden Mexikos, dass von der Menge begeistert wiederholt wird…viva Hidalgo, viva Morelos, viva Allende, viva la independencia, viva Mexico!!!! Also haben wir uns mit Fähnchen und Tröten ausgestattet und sind unserer patriotschen Pflicht nachgekommen.
Zurück in Guadalajara musste ich dann noch eine Uniwoche überstehen, bis ich mich über den Besuch von Lisa freuen durfte. Direkt am Tag nach ihrer Ankunft machten wir uns auf den Weg nach Puerto Vallarta, einer Touristenhochburg an der Pazifikküste, um von dort weiter nach Yelapa zu reisen, wo wir nach 7 Stunden Busfahrt, 40 Minuten Taxifahrt und weiteren 20 Minuten Bootsfahrt ankamen.
Yelapa zeichnet sich dadurch aus, dass es mit dem Auto praktisch nicht zu erreichen ist und dadurch von den Touristenmassen aus Puerto Vallarta weitgehend verschont bleibt. Ausländer gibt es zwar reichlich, aber das sind meist amerikanische Hippies, Rentner oder beides, die dort zumindest einen Teil des Jahres verbringen. Wir jedenfalls haben uns eine kleine Hütte von einem kleinen Mexikaner gemietet und haben dort drei schöne Tage verbracht. Die Zeit haben wir uns mit allem Möglichen vertrieben, nur am Strand waren wir kaum. Dafür sind wir stundenlang über Felsen geklettert und durch den Dschungel marschiert um einen Wasserfall zu finden, den ich bis heute nur aus Erzählungen kenne. Abends sind wir zum Essen ins Dorf gegangen, was sich dadurch schwierig gestaltete, dass unsere Hütte durch einen Fluss vom Rest der Welt getrennt war und es nur eine Furt gab, durch die man besagtes Dorf erreichen konnte. Wie trocken oder nass man am anderen Ufer ankam hing von der Tagesform des Flusses ab. Der allabendliche Rückweg wurde uns zusätzlich erschwert durch Tausende von Kröten, Krebsen und sonstigem Getier, das Abends aus seinen Löchern oder weiß der Geier woher kam um auf dem einzigen Weg zu unserer Hütte weiß der Kuckuck was zu machen (von der allgegenwärtigen Pferdescheiße mal ganz zu schweigen). Nun mag der eine oder andere denken, dass man sich um so eine Kröte nicht zu sorgen braucht, dass die schon weghüpft im letzten Augenblick, bevor man drauftritt. Da war ich mir auch ganz sicher, aber als ich den Beweis antreten wollte, wäre eine dieser Monsterköten fast krepiert, ohne sich allerdings auch nur einen Millimeter vom Fleck zu rühren. Kröten sind laut Lisa übrigens süß, Krebse nicht. Ich weiß beim besten Willen nicht, was an Kröten süß sein soll, aber bitte…
Am zweiten Tag bin ich auf die, wie ich fand, großartige Idee gekommen ein Kajak zu leihen, um damit einen der einsamen Strände zu erreichen, die wir auf der Hinfahrt vom Boot aus gesehen hatten. So toll war die Idee dann aber irgendwie doch nicht, denn in so ‘nem Schnellboot mit zwei 200-PS-Außenbordern ist man halt doch schneller als zu zweit in einem kleinen, gelben Kajak mit einem kaputten Paddel. Nach zwei Stunden sinnlosem Rumgepaddel in der prallen Sonne, hatten wir die Nase voll. Dumm nur, dass ich dieses Kajak schon für zwei Tage gemietet und vor allem bezahlt hatte und es deshalb nicht schon nach zwei Stunden wieder abgeben wollte. Also haben wir das vermaledeite Ding an den Strand befördert und haben uns anderen Dingen zugewandt. Als ich es am nächsten Tag dann doch abgeben wollte, war‘s nicht mehr da. Nun war ich mir aber sicher, dass mir der Typ, bei dem ich dieses Ding geliehen hatte, wenn ich ihm erzählt hätte, dass uns sein Bötchen abhanden gekommen ist, irgendeinen Fantasiepreis berechnet hätte, den ich zu zahlen nicht gewillt gewesen wäre. Deshalb sind wir, und darauf bin ich wirklich nicht stolz, am darauffolgenden Tag einfach abgehaun und so lehnt dass Paddel zu dem Kajak wahrscheinlich bis heute sinnlos an unserer Hütte.
Da ich ja nicht einfach zwei Wochen die Uni schwänzen konnte (wobei, wer Kajakvermieter prellt, der kann auch Uni schwänzen.), mussten wir erstmal nach Guadalajara zurückkehren. Doch gleich am Donnerstag sind wir wieder aufgebrochen, diesmal nach Guanajuato, einer wunderschönen Kolonialstadt nördöstlich von Guadalajara, von der ich in einem frühereren Reisebericht schon erzählt habe. Dort angekommen, wurden wir sehr herzlich in einem kleinen Hotel namens Casa Berta aufgenommen. Die Tage verbrachten wir damit durch die vielen kleinen Gassen, vorbei an unzähligen Kirchen, zu streifen.
Große Teile der Stadt sind nur zu Fuß erreichbar und da die Stadt Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, gibt es auch da wo Autos fahren keinerlei Verkehrszeichen. Am zweiten Tag unternahmen wir einen Ausflug zu einer der nahen Silberminen denen Guanajuato über viele Jahre seinen Reichtum zu verdanken hatte.
Guanajuato ist links, San Miguel rechts
Am Sonntagmorgen reisten wir weiter nach San Miguel de Allende. Nachdem wir uns die sehr schöne, aber auch recht kleine Innenstadt angeschaut hatten nahmen wir uns ein Taxi zum botanischen Garten, der etwas außerhalb liegt, aber im Lonely Planet als sehr sehenswert angepriesen ist. Obwohl es auch tatsächlich ein schönes Plätzchen ist, ist die Bezeichnung botanischer Garten eine maßlose Übertreibung. Vielmehr ist ein findiger mexikanischer Geschäftsmann wohl auf die geniale Idee gekommen, ein Stück Land, mit dem sonst nichts anzufangen ist, einzuzäunen und als lohnendes Touristenziel zu verkaufen. Inwiefern sich die Landschaft innerhalb des Zauns, von der außerhalb unterscheidet, war für mich jedenfalls nicht erkennbar. Drinnen wie draußen gab es Tausende von Kakteen.
Am nächsten Tag mussten wir auch leider schon wieder die Rückreise antreten. Während ich also wieder ein paar Tage in die Uni musste, in erster Linie um die Hausaufgaben zu machen, die so anstanden und von mir in der Vorwoche etwas vernachlässigt wurden, machte sich Lisa eine schöne Zeit in der Innenstadt von Guadalajara. Nachmittags verbrachten wir aber auch immer noch etwas Zeit gemeinsam. Am Donnerstag fuhren wir noch Tlaquepaque, einem Teil von Guadalajara, der bekannt für sein schönes Zentrum und jede Menge Kunsthandwerk ist. Am Freitag machten wir uns schließlich auf den Weg zu einem letzten Tagesausflug nach Chapala, ehe Lisa am Sonntag die Heimreise antreten musste. Chapala ist ein kleines Städtchen am Rande des größten Sees Mexiko’s. Chapala war aber, auch wenn die Mexikaner das irgendwie anders sehen, nicht sehr schön und eher langweilig, deshalb fuhren wir kurzerhand weiter in das zwanzig Minuten entfernte und wesentlich schönere Dorf Ajijic. Ajijic scheint, wie Yelapa, ein Ort zu sein, wo es viele US-Rentner hinzieht. Jedenfalls ist alles sehr beschaulich und gepflegt und viele Hauswände sind mit kunstvollen Malereien verziert. Nach einem letzten Tag in Guadalajara, brachte ich Lisa Sonntag zum Flughafen.
Seitdem ist hier auch nichtmehr sehr viel passiert. Vergangenen Freitag gab mein Mitbewohner Tlacateca eine Geburtstagsfeier. Nach einem eher ruhigen Beginn, hatten wir die Bude gegen ein Uhr nachts dann voll. An vieles kann ich mich nicht danach nicht mehr erinnern. Jedenfalls riecht es nun in einer Ecke unserer Terasse stark nach Urin und die etwas morbide anmutende Wandmalerei in meinem Zimmer wurde um einige Grafittis erweitert. Desweiteren wurde der Sombrero von Tlaca entwendet. Weitere Schäden haben wir bislang nicht verzeichnen müssen.
Ich wünsche euch allen alles Gute und danke jenen, die ihre Grüße hier hinterlassen haben. Ich melde mich bald wieder.
Saludos de Guadalajara…
P.S.: Mein herzliches Beileid an alle Unterstützer des VfB, aber diesmal waren wir einfach besser. Nehmt’s wie echte Sportsmänner. Schöne Grüße vom Platz 4 der Bundesliga…






